Eine Reise in den Norden Europas! Skandinavien? Nein Baltikum!

Für mich ging es schon zwei Mal in den Hohen Norden von Europa 🙂 Aber nicht in die skandinavischen Länder, sondern in die drei baltischen Länder: Lettland, Litauen und Estland. Genau die Länder, von denen man so gerne die Hauptstädte verwechselt 😀 Also die korrekte Zuordnung lautet folgendermaßen: Litauen und Vilnius, Lettland und Riga und Estland und Tallin.

Wie war die Reise dorthin und was kann ich euch empfehlen?

Mir hat es im Baltikum extrem gut gefallen und kann es jedem nur empfehlen. Während die meisten meiner Freunde und Bekannten bereits alle Metropolen in Zentral-, Süd- und Osteuropa besucht haben, sind die baltischen Hauptstädte bei vielen noch ein unberührter Punkt in der Reise-Landkarte. Das sollte sich unbedingt ändern 🙂

Hostels und Unterkünfte findet man in allen Preisklassen, wobei anzumerken ist, dass die Städte teurer werden, je höher es in den Norden geht. Was außerdem stark bemerkbar wird ist, dass Tallin ein sehr beliebtes Tages-Ausflugsziel für Kreuzfahrten ist. Das bedeutet konkret, dass die Stadt ab 10 Uhr vormittags bis nachmittags vollgepackt mit Schiffs-Touristen ist. Ich habe die Reise mit (Nacht-)Bussen absolviert, was einfach buchbar und günstig war. 

Man kommt mit Einheimischen sehr schnell und einfach in Kontakt 🙂 Die meisten Balten sprechen fliessend Englisch. Sie sind interessiert, erzählen selber viel und man kann sich dort mit Sicherheit die ein oder andere Nacht um die Ohren schlagen. Fun Fact ist, dass sich die 3 baltischen Länder untereinander gar nicht verstehen – die Sprachen sind komplett unterschiedlich.

Gut, fangen wir nun aber mit den konkreten Destinationen an:

Litauen

Kaunas
Auf dem Hauptplatz in Kaunas. Da erste Reise ins Baltikum war im Frühjahr. Deswegen war es noch etwas kühl 🙂

Kaunas ist ein süßes litauisches Städtchen, welches absolut nicht touristisch ist. Wer Litauen abseits der touristischen Pfade entdecken will, ist hier sehr gut beraten. Mit ca. 350.000 Einwohnern ist Kaunas die zweitgrößte Stadt des Landes und wird als „Herz von Litauen“ bezeichnet. 

Vilnius

Weiter ging es bei meiner Reise dann nach Vilnius. Ich muss auch sofort dazu sagen, dass die litauische Hauptstadt meine Lieblingsstadt im Baltikum ist. Vilnius ist die größte Barock-Stadt in Osteuropa und wird aufgrund von über 50 Kirchen auch „Rom des Ostens“ genannt. Außerdem erwähnenswert ist, dass die Altstadt 1994 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde.

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Wenn man durch Vilnius läuft entdeckt man an jeder Ecke Kirchen, wunderschöne Fassaden und gemütliche Cafés.

Als ich dort war ging es zuerst auf den Burgberg von Vilnius, der einen wunderschönen Blick über die ganze Stadt bietet. Dann bin ich einfach durch die Stadt gelaufen und habe mir die Kirchen und Bauwerke angesehen.

Der wunderschöne Blick über die Stadt vom Burgberg aus.

Wenn man durch die Stadt schlendert kommt man sich ins Mittelalter versetzt vor. Als ich Vilnius im Sommer 2018 bereist habe, hat dort auch gerade ein „Mittelalterfest“ in Vilnius  stattgefunden. Dieses Fest hat sich als St. Bartholomew’s Fair herausgestellt. Dabei handelt es sich um das Fest der Handelsleute. Von Handwerkskunst, Musik, Rittter-Aufführungen, Kulinarik, Verkleidungen wird man hier vollkommen ins Mittelalter katapultiert. Dieses Festival hat sehr zum Charme der Stadt beigetragen und falls ihr zu dieser Zeit in Vilnius seid kann ich es euch sehr ans Herz legen.

Sich einmal Köpfen lassen? Alles möglich bei der St. Bartholomew’s Fair…

Vilnius bietet sehr viele Museen, Ausstellungen und Gallerien. Wer dafür Interesse hat wird sehr schnell in sämtlichen Kunstrichtungen, Stilen und Epochen fündig. Was ich gemacht habe und was richtig lustig war: Museum of Illusions. Die Welt auf den Kopf stellen, mit Dimensionen spielen oder in ein Lichtermeer eintauchen 🙂 Hier ist einfach alles möglich. Das Museum wurde erst 2016 eröffnet und zeichnet sich auch besonders durch das Engagement der Guides aus.

Die Welt steht Kopf im „Museum of Illusions“ in Vilnius 😉

In Vilnius kann man super durch die Altstadt schlendern, sich einen Kaffee oder ein Gläschen Wein gönnen und gut essen gehen.

Was Vilnius außerdem besonders macht ist der Freistaat „Užupis“. Geht man über eine Brücke des Flusses Vilnia, befindet man sich in einem eigenen Staat mit eigener Hymne, einer Flagge, einer Verfassung und einem Präsidenten.

Die Ortstafel der Republik Užupis. Über eine Brücke gelangt man von Vilnius in diesen Staat.

Die Verfassung besteht aus 41 Gesetzen und ist in sämtlichen Sprachen übersetzt auf Bronzetafeln auf einer Mauer angebracht.

Die Verfassung von Užupis mit seinen 41 Gesetzen, hier die deutsche Bronzetafel.

Das Wahrzeichen bzw. der Patron Užupis ist ein bronzener Engel, der am Hauptplatz steht. Užupis ist ein interessanter und surrealistischer Ort – eine Republik der Künstler.

Ein Klavier am Flussufer? In Užupis ist alles möglich.

 

Trakai

Ein See, eine Burg und viele kleine Tretbötchen 🙂 Die Wasserburg „Trakai“ ist ein superlieber und auch sehr romantischer Ort. Die Burg liegt inmitten des Galve Sees und ist über eine Holzbrücke aus zu erreichen. Von Vilnius aus braucht man ungefähr eine halbe Stunde um hierher zu kommen. Ich bin damals mit dem Bus hingefahren, was günstig, einfach und unproblematisch war.

Das Schloss Trakai im Frühling.

Man kann um die Burg herumwandern, in das Museum in der Burg gehen und über die Geschichte von Trakai mehr erfahren oder eine Führung dort machen und anschließend entweder ein Tretboot mieten und/oder in den Restaurants mit Blick auf den See die Sonne und Kulinarik genießen (Preise sind zwar etwas höher aber noch absolut im Rahmen). Was ich außerdem gelesen habe: man kann auch Segeltouren machen und im Sommer Wasserski oder Kanus ausborgen.

Jaaaa ich liebe Tretbootfahren 🙂

Trakai ist die Hauptsehenswürdigkeit nicht nur in Litauen, sondern im gesamten Baltikum. Als ich an einem sonnigen Frühjahrstag dort war, war die Anzahl der Touristen überschaubar. Meine Recherchen haben ergeben, dass es im Sommer sehr überfüllt ist. Dafür aber dafür finden im Burghof klassische Konzerte und Popkonzerte statt. Mit Sicherheit sehr tolle Events inmitten einer wundervollen Kulisse.

Die Wasserburg „Trakai“ ein toller Ausflug von Vilnius und nicht nur für Frisch-Verliebte sehr zu empfehlen 🙂

 

Lettland

Riga

Die Hauptstadt von Lettland war für mich das Startland ins Baltikum. Ich habe vor der Reise oft gehört, dass Riga cool,aufstrebend und stylisch sein soll und es war auch die Kulturhauptstadt von Europa 2014. Was war mein Eindruck von Riga?

Wie sooft begann mein Aufenthalt frühmorgens nach einer langen Busfahrt von Warschau. Da führt der erste Weg natürlich zuerst in ein Café zum Frühstücken und Kaffee trinken. Ein nettes Café war schnell gefunden und dieses war auch gesteckt voll, sehr sympathischer erster Eindruck.

In Riga kann man alles zu Fuß erkunden: die Sehenswürdigkeiten liegen nah beieinander und wenn man ein Päuschen einlegen will, gibt es Lokale, Cafés und Restaurants in Hülle und Fülle. In der Innenstadt ist aber Vorsicht geboten – sehr viele Lokalitäten haben auf mich den Eindruck gemacht, eine „Touristenabzocke“ zu sein.

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Der Hauptplatz von Riga mit unzähligen Restaurants, Cafés und Pubs.

Aber nun zu den konkreten Sehenswürdigkeiten: in der Altstadt gibt es den Rathausplatz mit dem bekannten und sicherlich meist fotografierten „Schwarzhäupterhaus“.

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Die meistfotografiert Sehenswürdigkeit von Riga und dabei wirklich sehr imposant: das Schwarzhäupterhaus.

Weiter gehts mit dem Dom von Riga, das Freiheitsdenkmal, die St. Jakobskirche, den Pulverturm und das Schwedentor, die „3 Brüder“ und die St. Petrikirch.

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Die sogenannten „3 Brüder“ sind die ältesten Häuser von Riga.

Sehr süß habe ich in Riga vor allem die engen Gässchen und die vielen bunten Häuser gefunden.

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Diese Häuschen sind ja so schön bunt und richtig süß.

Danach gehts am besten weiter ins Jugendstilviertel mit ungefähr 800 prunkvollen Gebäuden im Jugendstil. Die bekannten Straßen dafür sind die Alberta Iela und Aldaru Iela (iela = Straße).  Außerdem gibt es einige tolle Parks in Riga, einer der schönsten ist der Park um den Basteiberg. Hier herrscht Romantik-Alarm, denn diese Grünanlage ist mit seinen kleinen Bächen und Brücken sehr idyllisch.

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Ein Must-See in Riga: einer der schönen Parks.

In Riga (als auch in den anderen baltischen Ländern) solltet ihr unbedingt auf einen Markt gehen. Ich war am Zentralmarkt und es war sehr eindrucksvoll. Das bunte Markttreiben, die frischen baltischen Spezialitäten (v.a. Honig, Kräuterschnaps, süßes Gebäck, rote Beete, etc…) und der Marktflair sind einfach einmalig. Die Produkte sind frisch und außerdem sehr preiswert.

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Einfach nur lecker 😀

 

Sigulda

…ist ein kleines Städtchen, welches von Riga schnell und einfach zu erreichen ist. Sigulda ist ein beliebtes Sport- und Freizeitzentrum und bietet den Touristen einige Attraktionen, wie Schlösser, Burgen, Parks und zahlreiche Winter- als auch Sommer-Sportangebote z.B. Bobsleigh Fahren, Eislaufen, Kanu- oder Bootfahren. Es gibt auch die Möglichkeit sich Fahrräder oder Rollerskates auszuborgen.

Ich vor der Burg in Sigulda – es war richtig kalt.

Ich habe Lettland im Frühjahr besucht. Wer im Sommer dorthin reist, sollte auch den Strandort Jurmala auf der Reiseliste haben. Das ist ein bekannter lettischer Badeort, an dem man nicht nur tolle Strände sondern auch zahlreiche Jugendstil-Villen findet.

 

Estland

Tallinn

An einem Augusttag 2018 um 6 Uhr früh bin ich mit dem Nachbus aus Vilnius in Tallinn angekommen. Noch etwas schlaftrunken habe ich mich zu Fuß vom Busbahnhof in die Innenstadt begeben. Der erste Eindruck der estnischen Hauptstadt ist schon sehr gut: am Weg liegen einige stylische Cafés, Design-Shops und leckere Bäckereien. Als ich dann schließlich um 7 Uhr morgens am Hauptplatz stand, war dieser leer bis auf einige Arbeiter, die die Lokale für später vorbereitet haben.

Hungrig und voller Gusto auf Kaffee wollte ich mir zuerst ein gemütliches Kaffeehaus suchen, in dem ich meinen Tallinn Aufenthalt etwas planen kann. Schwieriger als gedacht, nach mühsamer Suche hat sich nur ein Hotel als „geöffnet“ herausgestellt. Für (im Baltikum „teure“) 10 Euro gab es ein Frühstücksbuffet mit kalten und warmen Speisen. Bewaffnet mit einer Tallinn Map ging der Aufenthalt dort dann los 🙂

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Erstes Frühstück in Tallin: Pumpernickel, rote Beete, Würstchen, Ei und alles was das hungrige Backpacker-Herz sonst begehrt 🙂

Die Altstadt von Tallinn wurde 1997 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Dementsprechend findet man ein süße mittelalterliche Innenstadt umzingelt von einer riesigen Stadtmauer, die (orthodoxe) Alexander-Newski-Kathedrale, den Domberg, die Burg Tallinn und zahlreiche historische Gebäude (z.B. Tallinner Rathaus, Hauptplatz). Ich habe alle Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erreichen können, da Tallinn sehr überschaubar ist. 

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Tallinn ist schon ein sehr süßes Städtchen 🙂

Vom Domberg (Castrum Danorum) aus hat man die beste Aussicht über die Stadt.

Aussicht über Tallin.

Es ist einerseits zwar sehr touristisch, aber mir hat es trotzdem gut gefallen, dass das Motto „Mittelalter“ in dieser Stadt voll durchgezogen wird. An jeder Ecke sieht man verkleidete Menschen, Lokale im Mittelalter-Look oder mittelalterliches Essen auf Speisetafeln.  Im III. Drachen kann man sich z.B. mit Bier und mittelalterliche Snacks wie Elchfleisch verköstigen. Die Einrichtung, das Inventar, als auch die Bedienung sind aus dieser Zeit. Taucht man dort im Trägershirt auf, kassiert man von der Dame, die das Bier bringt gerne den Kommentar „dass sich das in ihrer Welt nicht schickt“ 😉

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Ich habe im III. Drachen Lokal ein Bier und einen Elchfleisch-Stick gegessen. Man kann sich dort übrigens auch ein Essiggurkerl aus einem Riesen-Fass fischen 🙂

Teliskivi Creative City ist der Hipster-Teil der Stadt, der sich in einem ehemaligen Industriekomplex befindet. Teliskivi bedeutet auf Deutsch übersetzt Ziegelstein. Hier findet man hippe Bars, Design-Shops, Cafés, Galerien, Ateliers und kreative Unternehmen bzw. NGOs. Am Samstag findet hier auch ein Flohmarkt statt. Ich war an einem Sonntag hier, was ich nicht empfehlen kann, da die Tallinner Hipster am Sonntag anscheinend etwas anderes machen: dieser Teil war nämlich ziemlich leer 🙂

Zufällig bin ich auf dem „Balti Jaama Turg“ Markt („Bahnhof“ Markt) gelandet und war sehr begeistert. Auf diesem Markt findest du viele Einheimische und Touristen. Es gibt eine riesige Markthalle mit frischem Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse etc.., einen Supermarkt, ein Fitnesstudio und unzählige süße Cafés und Essenstände mit nationalen und internationalen Gerichten. Es war richtig toll die Stimmung dort zu genießen und sich ein wenig durch zu schmökern.

Eine ehemalige Studienkollegin aus dem Auslandssemester hat mir dann außerdem den nähesten Strand zur City empfohlen: „Pirita“. Vom Busbahnhof aus ist es ganz einfach und schnell (ca. 30 Minuten) dort hinzukommen und das Ticket ist mit 2 Euro auch relativ günstig. In meinem geistigen Auge wäre ich dort mit einem Bierchen am Strand oder in einem Strandkorb gesessen und hätte die Sonne genossen. Als ich dort angekommen bin, war es aber leider klirrend kalt und sehr windig. An und für sich ist das aber ein sehr netter Strandort und für Touristen, die mehr Glück mit dem Wetter haben sehr zu empfehlen.

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Bei Sonnenschein sieht dieser Strandabschnitt sicherlich ganz anders aus 🙂

Was oft empfohlen wird, ich aber aus Zeitgründen leider nicht gemacht habe sind das Kunstmuseum KUMU und das Seefahrtsmuseum. 

Mein allererster Artikel auf meinem Blog ist nun ziemlich lange geworden.

Mein Fazit zum Baltikum lautet GO GO GO wer noch nicht dort war!

Was noch interessant ist…
  • Wer etwas mehr Zeit hat, kann sich überlegen eine Fähre nach Helsinki, Stockholm oder St. Petersburg zu nehmen und diese Städte zu erkunden. Per Schiff erhält man ein 72-Stunden-Visa on arrival, welches sonst teuer und schwierig zu organisieren ist.
  • Aus meiner Sicht ist das Baltikum perfekt für “Ich-hasse-Hitze”-Touristen. Während es in Zentral- und Südeuropa richtig heiss werden kann, sind dort die Temperaturen im Sommer ein paar Grad kühler und recht angenehm. Von den baltischen Stränden habe ich außerdem sehr viel Gutes gehört 🙂 
  • Auf jeden Fall bieten sich die Hauptstädte perfekt für einen Städtetrip, egal ob für Frischverliebte, Mädels bzw. Jungstrips oder Familienausflüge an. Preislich absolut okay,
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Grüß euch! Ich bin Weltreisende, Chaotin und Langschläferin :-) Schön dass Ihr auf meinem Blog gelandet seid und somit Teil meines lang gehegten Traumes meiner Weltreise seid!! Bussis und Baba, Simi

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